„Gott der Herr hat 7 Zähne“ – Das Solo von Lisa Politt (Herrchens Frauchen)

Von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation.

„Gott der Herr hat 7 Zähne“ – das ist ein Mißverständnis. Einmalig und in seiner Entstehung doch typisch: tatsächlich heißt es in dem schönen Kinderlied (Weißt Du, wieviel Sternlein stehen): „Gott der Herr hat sie gezählet“, aber Kinder machen sich oft ihren eigenen Reim. Wer die verklärt leuchtenden Augen der Kinder kennt, mit denen sie oft die schönsten Mißverständ nisse singend vortragen, und weiß, daß sie in einem bestimmten Alter hauptsächlich durch Imitation lernen, der macht sich Gedanken darüber, auf welche Weise der Glaube eigentlich in sie ineinkommt.

Mit der bewährten Mixtur aus Wort & Musik wird ein Thema bearbeitet, das als Teil gesellschaftlicher Verfaßtheit immer mehr an Bedeutung gewinnt : An die Stelle der sozialen Frage rückt zunehmend die Besinnung auf sogenannte „alte Werte“ wie Familie, Nation und Religion. An die Stelle des Ideals der Aufklärung rückt die Einschätzung, die eigene, christ liche Religion sei eben den anderen Konfessionen einfach überlegen. Der Papst-Hype spricht Bände, Ursula von der Leyens Ernennung einer „Werte- Kommission“ unter Einbeziehung sämtlicher Religionszugehörigkeiten, jedoch ohne die Berücksichtigung eines nichtreligiösen Vertreters in einem Staat, der von sich behauptet, Religion und Staat zu trennen, deuten in  dieselbe Richtung. Das Bestreben, an Stelle der Dar winschen Theorie die Schöpfungsgeschichte treten zu lassen, ist nicht nur an amerikanischen Universitäten zu beobachten- kein Wunder: Mag man doch schon allein
wegen der eben genannten Protagonisten an ein „survival of the fittest“ wirklich nicht mehr glauben. Ohne Zweifel ist es wieder modern geworden, Kinder taufen
und konfirmieren zu lassen. Lasset uns beten.

Wem das alles zunehmend auf die Nerven geht, dem stellen sich Fragen:
– Ist der vorübergehende Engpass auf dem Hamburger Schwarzmarkt für gutes Haschisch damit zu erklären, daß die Katholische Kirche zum Generalangriff jetzt auch auf den Hanseaten geblasen hat und zum Zwecke der Mitgliederwerbung im Weihrauchschwenker ordentlich nachgelegt und dafür den Markt leergekauft hat?

– Muss die Grosse Kogge Deutsche Wirtschaft weiter Führer- los durch die wilden Meere fahren, angefeindet durch freche Forderungen der Gewerkschaft nach Be-
zahlung für Arbeit? Wird sie mit einer Frau am Steuerrad das zarte Pflänzchen Konjunktur gegen den Chinesen verteidigen können? Und

– Ist Frau Schwarzers BILD-Werbung nur ein gewitzter Anlauf zur feindlichen Übernahme durch die Fregatte „Emma“, ein später Erfolg durch Mimikry also?

– Wenn wir auf eine globale Erderwärmung zusteuern, es aber einem Hanseatischen Sprichwort zufolge kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt – wie sieht es dann in Gottes eigenem Kleiderschrank aus? Und

– was will uns die Hamburger Presse sagen, wenn sie titelt „Rente mit 67 soll früher kommen“?!

LISA POLITT weiß es auch nicht, macht sich aber Gedanken auf Teufel- komm- raus und stellt wilde Spekulationen an. Standpunkte gibt es zu Schleuder preisen, nachgebetete Meinungen, holzschnittartige Weltverbesserungsvorschläge aus der linken Motten kiste, in der Kaderschmiede auswendig gelernte „Überzeugungen“ und durch linke Denkverbote entstandene Schlagworte – das sind doch wahr-
scheinlich wieder die Ingredenzien für einen Abend, an dem Lisa Politt Ihnen gutgelaunt auf eine ganz billige Art den Spiegel vorhalten wird (für 19 Euro ab Montag bei IKEA, Achtung: Nur solange der Vorrat reicht).

Musikalische Mitarbeit: Jo Jacobs und Gunter Schmidt


„Gott der Herr hat 7 Zähne“ ist die 15. Produktion von „Herrchens Frauchen“ (Lisa Politt und Gunter Schmidt).

Preise:

  • 1991: Deutscher Kleinkunstpreis (Förderpreis) an „Herrchens Frauchen“
  • 2003: Deutscher Kabarettpreis an Lisa Politt
  • 2005: Deutscher Kleinkunstpreis (Hauptpreis) an Lisa Politt

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