{"id":31,"date":"2012-06-03T14:31:00","date_gmt":"2012-06-03T14:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ohrenpropaganda.de\/wp\/?p=31"},"modified":"2012-06-03T14:31:00","modified_gmt":"2012-06-03T14:31:00","slug":"lisa-politt-nimmt-rache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ohrenpropaganda.de\/wp\/2012\/06\/03\/lisa-politt-nimmt-rache\/","title":{"rendered":"Lisa Politt nimmt Rache"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ohrenpropaganda.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/lisa-1-1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12\" title=\"lisa\" src=\"http:\/\/ohrenpropaganda.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/lisa-1-1.gif\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"246\" \/><\/a>\u201eRache&#8220; hei\u00dft die neue Produktion des hinl\u00e4nglich bekannten Kabarett-Duos \u201eHerrchens Frauchen&#8220;. Seit ihrem Solo \u201eMarika R\u00f6kk und ich &#8211; eine Zwangsvorstellung&#8220; ist Lisa Politt das erste Mal wieder allein auf der B\u00fchne und zieht alle Register kabarettistischen Handwerks. Sie tut das nicht ohne Grund. Ihr Vorhaben in der heutigen Zeit ist aberwitzig und risikoreich, und sie erkl\u00e4rt es gleich am Anfang einem verdutzten m\u00e4nnlichen Zuschauer in der ersten Reihe: \u201eWir Feministinnen haben ja immer gesagt, wenn wir uns Herrschaftsverh\u00e4ltnisse erkl\u00e4ren wollen, m\u00fcssen wir uns nur das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau angucken. Also ich bin jetzt die Unterdr\u00fcckte, wer sind Sie?!&#8220;<\/p>\n<p>Auf dieser Ebene wird konsequent und furztrocken den ganzen Abend \u00fcber eine linke Theorie durchdekliniert, ohne dass es die Mehrheit des Publikums merkt. Wirksam bleibt es dennoch. Das Gel\u00e4chter gleicht oft mehr den Schmerzschreien des j\u00e4h Erkennenden als den Ger\u00e4uschen, die man gemeinhin aus Bierzelten vernehmen kann- das Dargebotene ist zu wahr, um sch\u00f6n zu sein. Gnadenlos wird die Symptomatik herrschender Produktionsverh\u00e4ltnisse in ihren verschiedensten Erscheinungsformen vorgef\u00fchrt: ob es nun die Sozialarbeiterin in der Rechten Szene ist, die erfreut konstatiert, dass \u201eLaissez- Faire&#8220; zumindest im Umgang mit den Skins eine Nische gefunden hat oder ob sie den M\u00e4nnern r\u00e4t, sich mittels phantasievoller Nutzung der Gentechnologie den entscheidenden Vorteil am Arbeitsmarkt durch einen dritten Arm zu sichern.<\/p>\n<p>Dem Spott der Politt entgeht nichts, nicht einmal sie selbst. Ihre irrwitzige Gratwanderung mit dem Charme eines intellektuellen Rasiermessers bleibt dabei immer parteilich, verbissen w\u00fchlt sie sich durch den Wahnsinn der heutigen Zeit ; saukomisch f\u00fcr alle, die sich wie sie \u00fcber die politischen Zust\u00e4nde unseres Landes aus Verzweiflung nur noch totlachen k\u00f6nnen. Anarchistisch genug, um nicht im Dogma stecken zu bleiben, bleibt bei ihr meist die weiterf\u00fchrende Frage als die abschlie\u00dfende Antwort Schlusspunkt einzelner Sequenzen. Erschreckend deutlich f\u00fcr viele im Saal daher ihre Darstellung einer Gr\u00fcnen, die stolz konstatiert, bei der fehlgeschlagenen Auseinandersetzung mit dem Nazivater doch wenigstens auf dem Balkan weitergekommen zu sein als er. Bitter.- Zum Schluss dann doch der Schrei nach Solidarit\u00e4t und Liebe, der klarmacht, wo bei dieser Frau der Motor sitzt.<\/p>\n<p>Wer nach \u201eRache&#8220; auf den Geschmack gekommen ist, kann am 29. und 30. M\u00e4rz mehr \u00fcber das Wirken von Herrchens Frauchen erfahren. Dann pr\u00e4sentieren sie im Alma Hoppe das \u201eBeste aus 17 Jahren&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Dirk Seifert<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Balkan sch\u00f6n aufger\u00e4umt \u2013 <em>Lisa Politt \u00fcbt gen\u00fcsslich \u201cRache\u201d: Ein bei\u00dfendes Soloprogramm des Kabarett-Duos Herrchens Frauchen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Seit ihrem Solo <em>Marika R\u00f6kk und ich &#8211; eine Zwangsvorstellung<\/em> ist Lisa Politt jetzt, mit dem Programm &#8222;Rache&#8220; im Schmidt Theater das erste Mal wieder allein auf der B\u00fchne. Und sie zieht alle Regis-ter kabarettistischen Handwerks. Sie tut das nicht ohne Grund. Ihr Vorhaben ist &#8211; zumal in der heutigen Zeit &#8211; aberwitzig und risikoreich, und sie erkl\u00e4rt es gleich am Anfang einem verdutzten m\u00e4nnlichen Zuschauer in der ersten Reihe: &#8222;Wir Feministinnen haben ja immer gesagt, wenn wir uns Herrschaftsverh\u00e4ltnisse erkl\u00e4ren wollen, m\u00fcssen wir uns nur das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau angucken. Also, ich bin jetzt die Unterdr\u00fcckte, wer sind Sie?&#8220;<\/p>\n<p>Auf dieser Ebene wird konsequent und furztrocken den ganzen Abend \u00fcber eine linke Theorie durchdekliniert, ohne dass es die Mehrheit des Publikums \u00fcberhaupt merkt. Wirksam bleibt es dennoch. Das Gel\u00e4chter gleicht oft mehr den Schmerzschreien des j\u00e4h Erkennenden als den Ger\u00e4uschen, die man gemeinhin aus Bierzelten vernehmen kann &#8211; das Dargebotene ist zu wahr, um sch\u00f6n zu sein. Gnadenlos werden Symptome herrschender Produktionsverh\u00e4ltnisse in ihren verschiedenen Erscheinungsformen vorgef\u00fchrt: ob es nun die Sozialarbeiterin in der rechten Szene ist, die erfreut konstatiert, dass &#8222;Laissez-Faire&#8220; zumindest im Umgang mit den Skins eine Nische gefunden hat, oder ob sie den M\u00e4nnern r\u00e4t, sich mittels phantasievoller Nutzung der Gentechnologie den entscheidenden Vorteil am Arbeitsmarkt durch einen dritten Arm zu sichern.<\/p>\n<p>Dem Spott der Politt entgeht nichts, nicht einmal sie selbst. Ihre irrwitzige Gratwanderung mit dem Charme eines intellektuellen Ra-siermessers bleibt dabei immer parteiisch, verbissen w\u00fchlt sie sich durch den Wahnsinn der heutigen Zeit. Und da Lisa Politt anarchistisch genug ist, um nicht im Dogma stecken zu bleiben, bildet bei ihr meist die weiterf\u00fchrende Frage den Schlusspunkt einzelner Sequenzen, als dass sie Antworten parat h\u00e4tte. Erschreckend deutlich f\u00fcr viele im Saal daher ihre Darstellung einer Gr\u00fcnen, die angesichts der fehlgeschlagenen Auseinandersetzung mit dem Nazivater erfreut feststellt, dass sie wenigstens auf dem Balkan beim Aufr\u00e4umen weitergekommen ist als er. Bitter. Zum Schluss dann doch der Schrei nach Solidarit\u00e4t und Liebe, der klarmacht, wo bei dieser Frau der Motor sitzt.<\/p>\n<p><strong>Dirk Seifert<\/strong><\/p>\n<p><em>noch 26.2. bis 2.3., 20 Uhr, Schmidt Theater, Tel. 31 77 88 99<\/em><\/p>\n<p>Das Beste aus 17 Jahren <em>pr\u00e4sentieren Herrchens Frauchen au\u00dferdem am 29. und 30. 3. in Alma Hoppes Lustspielhaus<\/em><\/p>\n<p>taz Hamburg Nr. 6685 vom 25.2.2002, Seite 23, 38 Zeilen (Kommentar), Dirk Seifert,\u00a0 Rezension<br \/>\n<em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eRache&#8220; hei\u00dft die neue Produktion des hinl\u00e4nglich bekannten Kabarett-Duos \u201eHerrchens Frauchen&#8220;. 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