„Wozu reden, sag‘ ich immer – Sex, Drugs & Nächstenliebe“

LISA POLITT & Band (Gunter Schmidt, Wanja Hasselmann, Sven Arne Schönemann)

Mal ehrlich, warum wird zu Weihnachten gesungen: Damit nicht gestritten wird. Gemäß der schönen Redensart, derzufolge der deutsche Schlager gesungen wird, weil er nicht der Rede wert ist, begibt sich Lisa Politt mit ihrem konfliktfähigen Partner GUNTER SCHMIDT auf die wissenschaftliche Recherche nach der Bedeutung des gemeinsam verübten Gesanges in deutschen Wohnzimmern. Die Zeiten werden härter, und wer sich mit seinen Angehörigen nicht endgültig zerstreiten und womöglich das Erbe gefährden will, der sieht zu, dass ihm der Mund überquillt von Dingen, die nicht der direkten Rede bedürfen. Bloss nicht über Politik reden. Und wenn die Weihnachtsgans ihr Übriges getan und man wirklich nicht mehr die körperliche Verfassung hat, NOCH mehr zu essen, dann wird gesungen. Lisa Politt hat sich dieses Motto auf die Fahnen geschrieben und zur lautstarken Konfliktvermeidung die großartigen Kollegen WANJA HASSELMANN (Percussion) und SVEN ARNE SCHÖNEMANN (Gitarre und Bass) mit auf die Bühne geholt. Und wird singen, dass die Schwarte kracht. Und NICHT über Politik reden. – Oder doch..? – Zumindest, so viel lässt sich sagen, werden auch altbekannte Hits von Lisa Politt und Gunter Schmidt zu hören sein.

„Die Welt“ schreibt über das Stück: „Die Stimme der Vernunft“ gibt im forschen Marschtakt den Ton vor für Lisa Politts vorweihnachtliches Konzert. Wer sich Besinnlichkeit und Christmas-Schlagerschmalz im Polittbüro erhofft, der ist im linken Kabarettladen am Steindamm ohnehin falsch am Platz. Mit Wort und Lied liest Politt der versammelten Gemeinde zu deren Vergnügen die Leviten, verliert trotz der Ernsthaftigkeit und ihres Eintretens für Gerechtigkeit nie die (Selbst)Ironie. Und den für sie typischen, liebenswert ätzenden Sarkasmus.“

LISA POLITT Solo: „Wie geht’s uns denn..?“

(September 2011) Da werden wir gebeutelt von Schuldenkrise, Griechenland und schlechtem Wetter, und was liest der Deutsche: Bücher über Kohl. Warum?- Er will sich Tipps holen vom Siegertypen. Das Buch von Sohn Walter, das über (Ex-) Ehefrau Hannelore: Beide verdrängen sich gegenseitig von den ersten Plätzen der Bestsellerlisten, und beide handeln im Grunde nur von ihm. Helmut. Dem Dicken. Der Birne. Sowohl das meckernde Söhnchen als auch die (Ex-) Gattin der Finsternis verweist die Lichtgestalt auch in Abwesenheit locker auf die Plätze. Toll. Klar ist: Wer so lange (…und breite) Schatten wirft, der steht in der Sonne. Und auch wenn die Familie des Einheitskanzlers sich jetzt entzweit, auch wenn das Ganze aussieht wie seine späte Rache: Er, der schon immer sowohl seine Partei als auch seine Familie in „Kohlianer“ und „Nicht- Kohlianer“ zu unterscheiden wusste, steht nach allem als Gewinner da. Respekt. Wie schafft er das, und geben die Bücher auch anderen Versagern Tipps, die man abgreifen kann? Was ist sein Erfolgs- Geheimnis?

  • Muss man sich nur rechtzeitig vom Acker machen, bevor sich die „Visionen“ wie „Die Blühende Einheit“, „Der Euro“ oder „Griechenland“ als heiße Luft entpuppen, damit man selbst als Macher und die Nachfolger als Versager dastehen?
  • Braucht es in jedem Fall eine Ehefrau wie Hannelore, die es schafft, aus einem Rüstungsnazi – Vati und einer reichen und behüteten Kindheit eine herzerweichende Flüchtlingslegende zu stricken, die also PR- mäßig schon mal Gold ist, den Gatten entsprechend stützt, ihm die Kinder und den Haushalt vom auch noch gut genährten Leib hält und sich, wenn’s gar nicht mehr anders geht, die einzig haltgebende Perücke so tief in’s Gesicht zu ziehen, dass sie diesen Zustand mit dem „dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“ verwechselt? – Und
  • Brauchen wir Frauen vielleicht alle ihren eisenhart an der Einsamkeit gestählten Humor, um in der heutigen Zeit als Erfolgsmodell durch’s Leben zu gehen? Gefragt, wie sie die lange Zeit des Wartens auf den Gatten ertrage, hat Hannelore Kohl einmal einem Journalisten geantwortet: „Wir haben einen Hund. Wann immer mein Mann nach Hause kommt- der Hund freut sich. Ich habe in dieser Beziehung sehr viel von unserem Hund gelernt.“ Das ist doch was. Aber zurück zum Original, zur Hauptperson:
  • Wie schafft er es, dass man allein bei seinem Anblick den Eindruck gewinnt: Den Hunger in der Welt kann man vielleicht wirklich nur mit Waffengewalt bekämpfen? – Und welchen Ernstfall genau hat die passionierte Sportschützin Hannelore eigentlich am Schiessstand trainiert?
  • Wie geht das, trotz Spendenaffäre als verlässlich zu gelten, nur weil man die Namen der Mittäter nicht verrät? – Ist es gerade das,  was können wir für einen eigenen erfolgreich kriminellen Alltag daraus lernen, und
  • Wie gelingt es einem als Vater, dass aus einer ehemals erfrischend renitenten Brut wie Walter, der sich als 12jähriger die bemerkenswerte Fähigkeit aneignet, im Fond des Sicherheitsfahrzeugs, das ihn zur Schule bringt, eine Heckler & Koch auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen, ohne dass die beiden vorn im Wagen sitzenden Beamten das bemerken, wie schafft man es also, dass daraus  letztlich ein Sohn wird, der die Lebensleistung des einst verhassten Alten würdigt und ihm unbedingt verzeihen will? Das müssen Sie wissen. Denn das braucht jeder in  Krisenzeiten: Eine gut funktionierende Familie.
  • Wie schafft man es, die „geistig- moralische Wende“ einzuläuten und trotzdem zum Schluss eine nigelnagelneue Pflegerin mit Doktortitel zu ehelichen, die auch noch so sparsam ist, dass sie die Klamotten ihrer Vorgängerin aufträgt? Die einem mit ihrem Verhalten auch noch die miesepetrigen Söhne vom Hals schafft- oder ist das Ganze nur ein Missverständnis und sie in Wirklichkeit nur dem Mythos der kraftspendenden Perücke ihrer Vorgängerin auf der Spur?
  • Helfen solche Perücken auch anderen Frauen auf dem Weg in ihre zukünftige  Rolle, oder sind das Hirngespinste vergangener Zeiten, und es reicht völlig aus zu verstehen, was Heidi Klum uns sagt? :  „Die Mädchen können heute alle Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen. Sie können posen im Liegen, im Stehen, auf dem Bauch oder auf dem Rücken.“ Danke. Von „Auf den Knien“ ist schließlich nicht die Rede.

Üben Sie mit Lisa Politt die hohe Kunst des Aussitzens und Perücke- Aufsetzens: Lernen Sie siegen. Hören Sie dabei tief in sich hinein und lassen Sie sich fragen: Wie geht’s uns denn? – Garantiert gut, nach diesem Programm. Wäre doch gelacht.

Infos und mehr unter www.polittbuero.de

25 Jahre HERRCHENS FRAUCHEN …War was?!

Ausgerechnet zum 25. Jubiläum in größter Not: Ist ihr Humor den hohen wehrtechnischen Anforderungen der heutigen Zeit überhaupt noch gewachsen?

– An vorderster Front der Spassnation werden sie vom Zweifel gequält: Werden die Lachsalven zünden?

-Haben sie genügend gepfefferte Spitzen im Köcher?

–Die Befürchtung der beiden Granaten: keiner lacht sich tot.

Weit entfernt von bombigen Erfolgen merken die Stimmungskanonen: Frontbetreuung sieht anders aus. Fragen Sie Jeanette Biedermann. Ihr Humor ist schwer zu transportieren, die Fertigstellung des A 400 verzögert sich- WAS TUN?!! Ihr Unterhaltungsbegriff ist zu  schwer, die Gags sind pechschwarzblutgetränkt und wollen an der Spassfront nicht zünden- wie soll sich da der Feind tot- krank- oder gar schieflachen, zumindest aber Schütze Arsch sich bepissen?!!!

Zum 25jährigen Bestehen von „Herrchens Frauchen“ haben sich Lisa Politt und Gunter Schmidt etwas Besonderes ausgedacht: Nicht einen Zusammenschnitt aus den bisherigen an Höhepunkten nicht armen Programmen, sondern ein nigelnagelneuer Abend, bestehend aus den bewährten Ingredenzien: „…brilliant- bissige Dialogen mit Musiknummern zwischen krachwitzig und bitterernst“ (DWZ, Hameln).

Ein wenig beleidigt sind die Beiden natürlich schon: Ist es nicht ein Zeichen absoluter Erfolglosigkeit, dass nach 25 Jahren ihre Tätigkeit überhaupt noch vonnöten ist, sie die Welt also immer noch nicht zum Positiven verändert haben?

Geben sie sich doch stets  Mühe, mit konstruktiven Vorschlägen für Verbesserungen auch im Kleinen zu sorgen. So helfen sie der Regierung in wirtschaftlich angespannten Zeiten mit Sparvorschlägen: Kann es sein, so sorgt sich HERRCHENS FRAUCHEN, dass der Wehrauftrag der Bundeswehr in Afghanistan nur deshalb in die Länge gezogen wird, weil Airbus mit der Fertigstellung des A400 für Truppentransporte nicht vorankommt?- Und wäre es da nicht kostengünstiger, „UNSERE JUNGS“ würden sich an Ulla Schmidt ein Beispiel nehmen und mit dem Dienstwagen aus dem sonnigen Süden nach Hause kommen?

Die mittlerweile 17. Produktion- Ein Rück- und Ausblick, der auch diesmal nicht ohne erhobenen Mittelfinger wird auskommen können: „Das Duo begeistert mit seinen manchmal bitterbösen, brillanten Attacken“ (Hamburger Abendblatt).

Lisa Politt und Gunter Schmidt haben die bitteren Lehren aus der Geschichte ihrer Generation gezogen. Seit sie wissen, dass die Schüsse auf Benno Ohnsorg auf der Anti- Schah- Demo von IM Kurras abgegeben wurden, ist klar: Die Geschichte der Studentenbewegung muss umgeschrieben werden. Nicht, dass es heute noch jemandem auffallen würden, wenn irgendwer die Geschichte umschreibt- Aber was wäre Deutschland alles erspart geblieben:

  • Die „Bewegung 2. Juni“ wäre als „Bewegung 17. Juni“ in die Geschichte eingegangen!
  • Die ganze Generation der Studentenrevolte wäre nicht demonstrieren gegangen, sondern Fluchthelfer geworden. Und die Mauer wäre von UNSERER Seite nachgerüstet worden!
  • Und hätten die Herren und Damen Studenten Lust gehabt, sich politisch zu äußern, dann hätten sie nicht die Enteignung Springers, sondern die Privatisierung des „Neuen Deutschland“ gefordert!

Bei aller Kritik muss aber auch gefeiert werden, was des Lobes bedarf. Kein Zweifel: Unsere Generation hat es weit gebracht. Nicht zuletzt uns ist es zu verdanken, dass das Dosenpfand mitttlerweile am Hindukusch verteidigt wird. In Jugoslawien sind wir weiter gekommen als unsere Väter, und unsere Bundeskanzlerin erntet die Früchte vergangener Emanzipationsbewegungen. Damit ist bewiesen, dass nicht alles nur Parole war, was einst formuliert wurde: Die Schweine von heute sind nicht nur die Schinken von morgen, sondern kriegen von Heidi Klum auf Pro 7 auch noch das Quieken beigebracht.

„Das Duo macht etwas, das bei deutschen Kabarettisten(…) selten geworden ist: politisches Kabarett. Politt und Schmidt sind keine distanzierten Analytiker gesellschaftlicher Mißstände, sondern ungestüme Krititker, deren Zorn noch nicht zur Pose erstarrt ist. Geschickt und akribisch bewegen sie sich zwischen intellektuellen Spitzfindigkeiten und deftigen Realitätsausbrüchen. Sie türmen nicht einfach Gag auf Gag, das überlassen sie anderen Truppen, die außer Nonsens wenig im Kopf haben. Das Duo schwimmt gegen den Trend der schnellen Albernheit und ist so amüsant wie raffiniert: dem Zuschauer werden Identifikationsangebote gemacht – und gleich wieder entzogen.“(Tagesspiegel, Berlin)

„- War was..?!“- Ein Jubiläums- Programm, das es in sich haben wird-
mit den Ingredenzien, die zum Erfolg von HERRCHENS FRAUCHEN beigetragen haben: Gute Lieder (musikalische Mitarbeit: Jo Jacobs), unvergessliche Moderationen und schlechte Witze aus guten Gründen.

* 1991 erhielten HERRCHENS FRAUCHEN den Deutschen Kleinkunstpreis,

* 2003 Lisa Politt den Deutschen Kabarettpreis als erste Frau.


Die Jury:

„Lisa Politt tritt auch in ihren Solo- Programmen  souverän den Beweis an, daß zeitkritisches politisches Kabarett keine Männerdomäne ist. Mit sprachlicher Schärfe und intellektuellem Witz vertritt sie streitbar, undogmatisch und selbstironisch unbequeme Standpunkte und ist gleichzeitig eine brillante und stimmgewaltige Entertainerin.“

Außerdem erhielt Lisa Politt den
Deutschen Kleinkunstpreis 2005 in der Sparte Kabarett,

wiederum als erste und bisher einzige Frau.

Die Jury: „Damit zeichnet die Jury eine Überzeugungstäterin aus, die als Solistin ebenso wie im Duo Herrchens Frauchen zusammen mit Gunter Schmidt kabarettistische Konsequenzen zieht. Ihre energievolle Präsentation gipfelt in den Songs, die sie mit einer Super-Rockröhre singt. Lisa Politt: Eine radikale Denkerin, die gnadenlos analysiert und exakt formuliert.“

Volker Pispers:
„Lisa Politt ist die einzige Frau in Deutschlad, die aggressives politisches Kabarett macht“

„Weder noch“- Lieder und Prosa von Georg Kreisler – von und mit Herrchens Frauchen

Die im Jahre 2005 erschienenen Bücher, „Georg Kreisler- gibt es gar nicht“- eine Biographie von Hans- Jürgen Fink undMichael Seufert und „Leise flehen meine Tauben“, das neue und alte Titel sowie Prosa von Georg Kreisler enthält, haben Lisa Politt und Gunter Schmidt zum Anlaß genommen, einen Abend zu gestalten, der vielleicht auch die eine oder andere Neuentdeckung für Kreisler- Fans bereithält.

Georg Kreisler mußte 1938 vor den Nazis nach Amerika fliehen.

„Weder noch“- das ist einer der weniger bekannten Titel von Georg Kreisler, in denen er von der Ortlosigkeit/Ausgrenzung des Emigranten erzählt- unspekatakulär, treffend, hoffnungslos, ergeifend. „Man muß nur wissen, man hat niemals ein Zuhause, und daß man niemals ein Zuhause haben wird“.

„Weder noch“, das kennzeichnet auch Georg Kreislers im besten Sinne kompro mißlose Haltung, die sich nicht vereinnahmen oder funktionalisieren läßt, wenn es um politische Analyse, Parteinahme und radikales Denken geht. „Ich bin ein total Heimatloser. Ich hab keine Heimat“ sagt er, und daß der größte Dienst, den man seinem Vaterland erweisen könne, darin bestehe, es abzuschaffen. -„Es geht mir um die Arroganz der Macht, es geht mir um opportunistische Parteipolitik, es geht mir um die Anbiederung von Politikern an großkapitalistische Interessen, um die Unterdrückung protestierender Künstler.“

Ob es das profunde Mißtrauen gegen die eigene Zunft ist („Das Kabarett ist nicht tot, solang der Staat lebt“) oder auch die frühe Entlarvung des kontinuierlichen Antisemitismus der Nachkriegsjahre („Weg zur Arbeit“) – Kreislers Weitsicht, die über die kurzatmige Kritik an der Tagespolitik hinausreicht, die Hellsichtigkeit seiner unversöhnlichen Analyse, die sich mehr auf die strukturelle Verfaßtheit des Staates richtet als auf die Phänomene, die sie dafür umso treffender beschreibt – das alles ist hochpolitisch. Ist es die Rache derer, die er mit seiner radikalen Kritik angreift, daß er, handwerklich einfach zu brilliant, um ignoriert zu werden, reflexhaft mit Liedern wie „Taubenvergiften“ in Zusammenhang gebracht wird? Liest man seine Biographie mit den zahlreichen Schilderungen von erlebter Zensur, stößt man schnell auf die Spuren solcher Zusammenhänge.

Lisa Politt und Gunter Schmidt sind nicht nur schon lange unbedingte Fans dieses wohl größten deutschsprachigen Musikkabarettisten, sondern haben während ihrer langen Bühnenlaufbahn immer wieder Titel von Georg Kreisler gesungen.

Die außerordentlich große Musikalität, die Wortmeisterschaft Georg Kreislers sind ihnen ständige Herausforderung und machen schon die Proben zum Genuß. Das Lied vom Taubenvergiften wird an diesem Abend nicht dabei sein, es wird aber auch keine Sehnsucht danach entstehen. – Möge der Abend, das ist der größte Wunsch der Beiden, dem Meister zur Ehre gereichen.

Lisa Politt und Gunter Schmidt arbeiten seit 1984 als das Kabarett- Duo „Herrchens Frauchen“ in Hamburg und legen hiermit ihre 12. Produktion vor. Im Jahre 1991 erhielten sie den Deutschen Kleinkunstpreis der Stadt Mainz, 2003 wurde Lisa Politt den Deutschen Kabarettpreis verliehen und 2005 der deutsche Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. Seit September 2003 betreiben sie das „Polittbüro“, eine Kabarett- und Kleinkunstbühne in Hamburg- St.Georg.